Das Buch zur Selzstellung in Rheinhessen

 

 

Vor und während des Ersten Weltkrieges entstand in Mainz und im rheinhessischen Umland eine der wichtigsten Festungen im Westen des Deutschen Reiches. Es war der letzte Abschnitt einer Geschichte, die Mainz über mehrere Jahrhunderte als bedeutende Festungsstadt geprägt hatte. Bis 1918 erstreckten sich über 350 moderne Festungswerke, Lagerplätze, Wasserwerke und Fernmeldestationen im Halbkreis von Heidenfahrt, Ingelheim, Heidesheim, Wackernheim, Essenheim, Ober-Olm, Nieder-Olm, Ebersheim, Gau-Bischofsheim bis nach Weisenau. Die Versorgung und der Nachschub waren durch ein militärisches, über 40 km langes Straßen- und Bahnnetz sowie eine Zahnradbahn in Ingelheim sichergestellt. In Mainz bildeten vierzehn große Forts den inneren Festungsring. Auf dem Westerberg, in Stadecken-Elsheim, Zornheim, Mommenheim, Nierstein und in Bingen gab es vorgeschobene Stellungen oder konkrete Planungen für einen Brückenkopf. Mit 30.000 Soldaten und Arbeitern waren für den Bau der Festung Mainz kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges so viele Arbeiter im Einsatz wie in Ägypten für den Bau der Cheopspyramide.

 

Dieser gigantische Aufwand diente einem klaren Zweck. Nach den Vorstellungen des deutschen Kaisers und der Berliner Generäle waren Mainz und Rheinhessen ein denkbarer Kriegsschauplatz. Ein mögliches Schlachtfeld vor unserer Haustür. Vorbereitet hierfür war alles. Das und wie es dazu kam, ist Gegenstand dieses Buches.

 

Heute wissen wir, dass in der Region so gut wie keine direkten Kriegshandlungen stattgefunden haben. Den Krieg in den Weinbergen hat es zum Glück in Rheinhessen nicht gegeben. Für manche ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Festung Mainz und die damit verbundenen Kriegspläne aus dem Bewusstsein der Region verschwunden sind. Kaum jemand kennt noch die Ausmaße und die Bedeutung des Mainzer Fortgürtels. Vergessen ist auch die Selzstellung, obwohl hiermit die größte zusammenhängende Baumaßnahme in Rheinhessen aller Zeiten verbunden war.

 

Wohl keine andere Festungsstadt ist so rigoros von diesem Erbe befreit worden wie Mainz. Die Reste der Festungswerke aus der Zeit des Ersten Weltkrieges liegen fast alle tief vergraben unter der Erde. Geblieben sind allerdings markante Bauten aus früheren Festungszeiten, wie die Zitadelle, das Proviantmagazin, zwei Kavaliere des Rheingauwalls, mehrere Tore der Rheinkehlbefestigung sowie viele Kilometer Minenund Kommunikationsgänge unter den alten barocken Forts. Mehrere Vereine machen inzwischen einzelne Werke wieder der Öffentlichkeit zugänglich und vermitteln den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von einem bedeutenden Abschnitt der Stadt- und Regionalgeschichte. Die Fragen sind dabei immer die gleichen. Warum gab es über viele Jahrhunderte gerade in Mainz und Rheinhessen eine so mächtige Festung? Wie war diese ausgebaut? Welche Auswirkungen hatte das auf die Bevölkerung? Welche Funktion hatten die großen Forts in Mainz? Was hat es mit der Selzstellung auf sich? Welche Festungswerke gab es und wo standen sie? Weshalb sind sie verschwunden? Wo finden sich heute noch Reste?

 

Auf diese Fragen werden in dem Buch Antworten gegeben. Neben der Befragung von Zeitzeugen und der Auswertung von Archivmaterialien hat das Autorenteam bei seinen jahrelangen Recherchen Fotos, Luftbilder, Pläne und Karten entdeckt, die von der Festung Mainz und der Region vor und während der Zeit des Ersten Weltkrieges ein bisher unbekanntes Bild zeichnen. Ein einzigartiger Blick auf verschiedene Festungswerke wird darüber hinaus durch Gemälde und Skizzen des bekannten Festungsmalers André Brauch ermöglicht. Anhand von Originalplänen und alten Fotos hat er detailgetreu einzelne Werke zum ersten Mal in Öl auf Leinwand wieder sichtbar gemacht.

 

Um die Geschichte der Festung Mainz für jeden erlebbar zu machen, gibt es in dem Buch eine neue Karte zur Festung Mainz. Auf aktuellen topographischen Karten im Maßstab 1:25000 sind die Standorte von vielen Festungswerken eingetragen. Diese lassen sich damit mühelos auf Entdeckungstouren erwandern - und garantieren zugleich ein besonderes Geschichts- und Landschaftserlebnis mitten in Rheinhessen.

 

Vorwort des Buches "Bollwerk Mainz - Die Selzstellung in Rheinhessen"

 

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Bild oben: Gemälde von André Brauch: Der Infanteriestützpunkt "Auf der Muhl" (Fort Muhl) auf den Gemarkungen von Mainz-Ebersheim, Zornheim und Nieder-Olm.

 

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